Mehrdeutigkeit: Ein pragmatisches Mehrdeutigkeitskriterium der vernünftigen Behauptbarkeit

XXIV. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Philosophie „Norm und Natur“, 24. bis 27. September 2017 | Berlin, Deutschland

DGPhil 2017 LogoEs gibt zumindest die beiden folgenden Alternativen, den Begriff der Mehrdeutigkeit zu verstehen: Mehrdeutigkeit heißt entweder, dass ein Ausdruck mehrere Bedeutungen hat, oder dass ein Ausdruck mehrere Deutungen zuläßt. Das ist kein rein stilistischer Unterschied, die zweite Alternative fasst den Begriff der Mehrdeutigkeit weiter und gilt für alle Arten der Mehrdeutigkeit. Demnach ist Mehrdeutigkeit ein Phänomen der Gabelung, das durch Übergänge in der Kommunikation entsteht. Einem Rezipienten stehen an diesen Übergängen stets mehrere Möglichkeiten offen, eine codierte Nachricht zu interpretieren. In diesem Punkt unterschiedet sie sich von Vagheit und Unbestimmtheit. 

Neben paradigmatischen Beispielen für Mehrdeutigkeit, Vagheit und Unbestimmtheit gibt es auch eine Reihe von schwierigeren und unklaren Fällen. Um hier für Klarheit zu sorgen, benötigen wir ein Mehrdeutigkeitskriterium. Ich bin der Meinung, dass man ein adäquates Mehrdeutigkeitskriterium nur dann formulieren kann, wenn man dabei die Intentionen des Produzenten einer Äußerung berücksichtigt, sowie das Wissen, das ein Rezipient einer Äußerung im Gegensatz zum Produzenten dieser Äußerung haben kann. Nur wenn man beide Seiten – Produzenten und Rezipienten – berücksichtigt, kann man entscheiden, ob eine Äußerung mehrdeutig ist.

Das pragmatische Mehrdeutigkeitskriterium der vernünftigen Behauptbarkeit besteht aus einem (i) notwendigem und einem (ii) distinktivem Teil. Damit man von Mehrdeutigkeit eines Items i sprechen kann, muss es (i) mehrere Interpretationen des Items i geben. Und es muss (ii) für einen rational Handelnden unmöglich sein, das Item i angemessen zu präsentieren (also etwa ein Wort adäquat verwenden, einen Satz sinnvoll behaupten, ein Bild zweckmäßig zu zeigen etc.) ohne sich für eine der Interpretationen zu entscheiden. Sind beide Bedingungen erfüllt, so liegt Mehrdeutigkeit vor. Ein Vorteil dieses Kriteriums ist, dass es unseren intuitiven Begriff der Mehrdeutigkeit besser abbildet als andere Kriterien.

DGPhil-Kongess 2017

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