Orte der Mehrdeutigkeit – Mehrdeutigkeit in und jenseits der Sprache

Wenn man den Begriff „Mehrdeutigkeit“ hört, denkt man normalerweise an ein sprachliches Phänomen. Das ist für viele Arten der Mehrdeutigkeit völlig zutreffend – viele Arten der Mehrdeutigkeit sind sprachlicher Natur; weitgehend bekannte Beispiele sind die syntaktische, die semantische oder die pragmatische Mehrdeutigkeit. Paradigmatische Beispiele für semantisch mehrdeutige Wörter sind ‚Bank‘ oder ‚Tau‘. Mit ‚Bank‘ kann ein Sprecher eine Sitzgelegenheit oder ein Geldinstitut meinen, aber genauso eine Sandbank oder im Kontext der Geologie eine „vom umliegenden Gestein gesonderte, fest zusammenhängende Gesteinsschicht“. Philosophen haben normalerweise relativ stabile Intuitionen hinsichtlich der Frage, ob ein Item mehrdeutig, vage oder unbestimmt ist. Auch der Kontext löst die Mehrdeutigkeit normalerweise auf. ‚Bank‘ und ‚Tau‘ sind vergleichsweise einfache Fälle; läßt man diese einfachen Fälle hinter sich, so trifft man bald auf folgende Schwierigkeiten:

(1) Es gibt konkrete, nicht-paradigmatische Beispiele, bei denen intuitiv nicht klar ist, ob es sich um Mehrdeutigkeit, Vagheit oder Unbestimmtheit handelt.

(2) Es gibt bisher kein Kriterium, mit dessen Hilfe man paradigmatische Fälle von Mehrdeutigkeit, Vagheit und Unbestimmtheit, die man also intuitiv klar als mehrdeutig, vage oder unbestimmt klassifizieren würde, voneinander unterscheiden kann.

Für eine detaillierte Antwort untersuche ich das Phänomen der Mehrdeutigkeit in einem größeren Rahmen betrachten, um dadurch einerseits zu einem Kriterium und andererseits zu einer einheitlichen Theorie der Mehrdeutigkeit zu kommen.

Orte der Mehrdeutigkeit

Auf der Suche nach einer einheitlichen Theorie der Mehrdeutigkeit ...

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Seite sind Sie mit der Verwendung von Cookies einverstanden.