Seminar „Paradoxien“, RWTH Aachen, Sommersemester 2016

Das Seminar ist ein einführender Lektürekurs zum Thema Paradoxien. Eine Paradoxie liegt dann vor, wenn sich aus scheinbar vernünftigen Voraussetzungen scheinbar unvernünftige Konsequenzen ergeben. Paradoxien findet man in (fast) allen wissenschaftlichen Disziplinen, sie werfen Fragen auf und stellen unsere Intuition auf die Probe:

Bestätigt ein weißer Eisbär tatsächlich die Hypothese, dass alle Raben schwarz sind? Gibt es wirklich Sätze, die sowohl wahr als auch falsch sind? Ist es tatsächlich so, dass ein einzelnes Weizenkorn ein Getreidehaufen ist? Warum war das militärische Wettrüsten im Kalten Krieg die einzig vernünftige Handlungsweise für die beteiligten Staaten? Wie ist es möglich, dass sich ein fliegender Pfeil zu keiner Zeit bewegt? Und wo liegt das sizilianische Bergdorf, in dem es einen Barbier gibt, der alle und nur diejenigen rasiert, die sich selbst nicht rasieren?

Paradoxien sind einerseits höchst unerfreulich, da sie inkonsistente (oder zumindest inkongruente) Voraussetzungen in unserem Überzeugungssystem sichtbar machen, die bisher verborgen waren. Andererseits ist der positive Aspekt von Paradoxien, dass die Lösung genau dieser Inkonsistenzen zu einer radikalen und teilweise überraschenden Veränderung im philosophischen Denken führen kann.

In der Lehrveranstaltung soll zunächst diskutiert werden, welche generellen Lösungsstrategien wir für Paradoxien zur Verfügung haben. In Hinblick auf die einzelnen Paradoxien soll dann geprüft werden, inwieweit die verschiedenen Lösungsstrategien auf den konkreten Fall anwendbar sind. Unter anderem könnten in der Lehrveranstaltung die verschiednen Sorites-Paradoxien, die Rabenparadoxie, die Lügnerparadoxie, das Gefangenendilemma, die Unerwartete Prüfung, Paradoxien des Unendlichen oder Paradoxien zu Raum und Zeit besprochen werden.–

 

Literatur

  • Sainsbury, Richard Mark: Paradoxien. Stuttgart 2001. Univ.-Bibl. Nr. 18135. (Reclam).
  • Bolzano, Bernard: Paradoxien des Unendlichen. Hamburg 1975. (Meiner).

Seminar „Einführung in die Erkenntnistheorie“, RWTH Aachen, Wintersemester 2015

Das Seminar ist eine einführende Lehrveranstaltung zur Erkenntnistheorie, deren Ziel es ist, die Teilnehmer mit den wichtigsten Grundbegriffen dieser zentralen philosophischen Disziplin vertraut zu machen. Die Fragen „Was ist Wissen?“ und „Wann sind wir berechtigt zu sagen, dass wir etwas wissen?“ sollen dabei sowohl von einer historischen als auch von einer systematischen Perspektive her beleuchtet werden.

Die historische Betrachtung sieht den Erkenntnistheoretiker seit den Anfängen der Philosophie in einen Disput mit dem Skeptiker verstrickt. Letzterer geht davon aus, dass es kein Wissen gibt, wobei Skeptiker mit dieser Behauptung verschiedene Ziele verfolgen: Für Sokrates war der Skeptizismus ein Schritt auf dem Weg zum Wissen, pyrrhonische Skeptiker versuchten durch Einnahme einer skeptischen Position die Ataraxie zu erreichen, während die akademische Skepsis einfach den Standpunkt vertrat, dass es kein Wissen gibt. Diese Ziele werden bei vielen Philosophien offenkundig: René Descartes geht von einem methodischen Skeptizismus aus, um zu unbezweifelbaren Sätzen zu gelangen. David Hume weist auf das Induktionsproblem hin und vertritt damit einen theoretischen, partiellen Skeptizismus.

In einer systematischen Betrachtung zeigen sich Fragen und Standpunkte, welche die Epistemologie immer wieder bzw. gegenwärtig beschäftigen: Quellen unserer Erkenntnis, Wissen und Wahrheit, synthetisches Wissen a ariori, Realismus und Idealismus, Quines naturalisierte Erkenntnistheorie.

 

 

Literatur

  • Brendel, Elke: Wissen. Grundthemen Philosophie. Berlin 2013. (de Gruyter).
  • Ernst, Gerhard: Einführung in die Erkenntnistheorie. Einführungen Philosophie. 3., durchges. Aufl. Darmstadt 2011. (Wissenschaftliche Buchgesellschaft).
  • Grundmann, Thomas: Analytische Einführung in die Erkenntnistheorie. De-Gruyter-Studienbuch. Berlin 2008. (de Gruyter).
  • Musgrave, Alan: Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus. Eine historische Einführung in die Erkenntnistheorie. Uni-Taschenbücher. Tübingen 1993. (Mohr). 

Seminar „Experimentalphilosophie“, RWTH Aachen, Sommersemester 2016

Die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen unterscheiden sich nicht nur in ihrem Untersuchungsgegenstand, sondern beispielsweise auch in ihren Methoden. Die wissenschaftliche Methode der Philosophie bedient sich traditionellerweise der begrifflichen Argumentation, wobei Gedankenexperimente eine Rolle spielen können, und der Intuitionen von Experten auf ihrem Gebiet. An diese Methoden sind von zwei Richtungen her Zweifel herangetragen worden: die Zuverlässigkeit von a priorischen Reflexionen und die Angemessenheit der Intuitionen der Philosophen betreffend. Als alternative methodologische Antwort hat sich das philosophische Teilgebiet der Experimentalphilosophie (bzw. der Experimentellen Philosophie) entwickelt. Die Philosophie erhebt sich aus dem Lehnstuhl.

Das Seminar ist eine einführende Lehrveranstaltung in wichtige Grundbegriffe und philosophische Probleme der experimentalphilosophischen Methode; im Mittelpunkt des ersten Teils der Lehrveranstaltung werden methodische Überlegungen stehen: Welche Aussagekraft hat ein empirisches Ergebnis für eine philosophische Untersuchung? Stimmen die Intuitionen von Philosophen mit den Intuitionen von Laien überein? Ist es nicht grundsätzlich widersprüchlich, von eine empirischen Philosophie zu sprechen? Mithilfe dieser und anderer metaphilosophischer Überlegungen sollen auch die Stärken und Schwächen der traditionellen methodischen Ansätze der Philosophie sichtbar gemacht werden.

Im zweiten Teil der Lehrveranstaltung wird sollen konkrete experimentalphilosophische Untersuchungen diskutiert werden, beispielsweise zur experimentellen Philosophie des Geistes, der experimentellen Sprachphilosophie oder der experimentellen Erkenntnistheorie. Experimentalphilosophische Untersuchungen sind meist empirische Umfragen unter Laien, die Ergebnisse solcher Umfragen sollen den Ausschlag dafür geben, eine philosophische These zu akzeptieren (oder abzulehnen).

Literatur

Alexander, Joshua : Experimental Philosophy: An Introduction. Cambridge, UK 2012. Nachdruck 2013. (Polity Press).
Joshua Knobe, Joshua; Nichols, Shaun (Hgg.): Experimental Philosophy. New York, NY 2008. (Oxford University Press).
Joshua Knobe, Joshua; Nichols, Shaun (Hgg.): Experimental Philosophy. Band 2. New York, NY 2013. (Oxford University Press).
Grundmann, Thomas (Hg.): Die experimentelle Philosophie in der Diskussion. Berlin 2014. (Suhrkamp).

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