Logische Mehrdeutigkeit und logische Unbestimmtheit

In: Mras, Gabriele M. et al. (Hgg.): Philosophy der Logik und der Mathematik. Beiträge des 41. Internationalen Wittgenstein Symposiums. Kirchberg am Wechsel 2018, ALWS.

Die logische Mehrdeutigkeit ist eine von vielen Arten der Mehrdeutigkeit, sie tritt auf, wenn man einen Satz einer natürlichen Sprache in eine formale Sprache überträgt, diesen also formalisiert. Ich werde zunächst versuchen, den Begriff der logischen Mehrdeutigkeit anhand einiger Beispiele verständlich zu machen, um die logische Mehrdeutigkeit dann mithilfe eines Kriteriums von logischer Unbestimmtheit zu unterscheiden: Ein Satz p einer natürlichen Sprache L1 sei genau dann logisch mehrdeutig, wenn es mindestens zwei Formalisierungen 𝜑1 und 𝜑2 von p in der formalen Sprache L2 gibt, die gleichermaßen als korrekt angesehen werden können und zwischen denen sich ein rationaler Sprecher, der Satz p behauptet, entscheiden muss. Was den Begriff der Mehrdeutigkeit im Allgemeinen betrifft, so gehe ich erstens davon aus, dass dieser nur dann adäquat charakterisiert werden kann, wenn man ihn auf einer pragmatischen Ebene zwischen Sprecher und Hörer einer Äußerung betrachtet, und zweitens, dass nicht bloß das mehrdeutig genannt werden sollte, was mehrere Bedeutungen hat, sondern das, was mehrere Deutungen zulässt.

41. Internationales Wittgenstein Symposium 2018

 

Erkenntnisleitende Metaphern

In: Oberprantacher, Andreas et al. (Hgg.): Mensch sein – Fundament, Imperativ oder Floskel? Beiträge zum 10. Internationalen Kongress der Österrreichischen Gesellschaft für Philosophie. Innsbruck 2017, Innsbruck University Press. S. 669 –678.

Wenn Physiker davon sprechen, dass sich unsere Sonne eines entfernten Tages in einen roten Riesen und noch viel später in einen weißen Zwerg verwandeln wird, oder davon, dass sich Elementarteilchen auf allen möglichen Wegen gleichzeitig von einem Punkt A zu einem Punkt B bewegen, kommt man schwerlich umhin, nach der Quintessenz dieser und ähnlicher Aussagen zu fragen. Auch wenn Psychologen leger erklären, dass Erinnerungen im Gehirn gespeichert werden, so möchte man wissen, was gemeint ist. Eine erste und natürlich erscheinende Möglichkeit bestünde darin, diese Aussagen wörtlich zu verstehen, womit sich eine ganze Reihe an weiterführenden Fragen ergeben würde: Wie kann es sein, dass sich bestimmte Gegenstände zur selben Zeit an zwei verschiedenen Orten aufhalten? Können Informationen auf biologischem Material gespeichert werden werden wie Mais in einem Speicher oder wie Daten auf einer Festplatte? Die zweite Möglichkeit, die mir viel mehr zu versprechen scheint, besteht darin, danach zu suchen, was Physiker oder Psychologen eigentlich sagen wollen, ihnen also gewissermaßen zu unterstellen, dass sie sich in vereinfachender und irreführender Weise ausdrücken. Damit entsteht konkret die Aufgabe, zu erklären, wie die zuvor genannten Sätze interpretiert werden können.

Weiterlesen: Erkenntnisleitende Metaphern

Mehrdeutigkeit, Vagheit, Wahrheit und Falschheit

In: Kanzian, Christian et al. (Hgg.): Realismus-Relativismus-Konstruktivismus. Beiträge des 38. Internationalen Wittgenstein Symposiums. Kirchberg am Wechsel 2015, ALWS, S. 99–101.

Beiträge 2015Der Satz „Der Mount Everest ist ein hoher Berg“ ist wahr, denn der Mount Everest hat eine Höhe von 8848 Metern; er wäre aber auch wahr, wenn der Mount Everest 100 Meter niedriger und somit nur so hoch wie sein Südgipfel wäre. Sätze, die vage Begriffe enthalten, sind mit mehr Sachverhalten verträglich als Sätze, die exakte Begriffe enthalten. Aber wie verhält es sich mit Sätzen, die mehrdeutige Begriffe enthalten? Welche Voraussetzungen muss man machen, um zum Wahrheitswert von mehrdeutigen Sätzen zu gelangen? Ist es trivial, einem Satz wie „Bruno sieht die Katze mit dem Fernglas“ einen Wahrheitswert zuzuordnen? Mehrdeutigkeit und Vagheit sind in der Alltagssprache eher die Regel als die Ausnahme. Damit stellt sich unwillkürlich die Frage, welchen Einfluss Mehrdeutigkeit und Vagheit auf den Wahrheitswert von Sätzen unserer Sprache ausüben. Ziel dieses Beitrages ist es, den Zusammenhang von Mehrdeutigkeit und Vagheit und dem Wahrheitswert von Sätzen zu klären. 

 

 

Orte der Mehrdeutigkeit

 

Mehrdeutigkeit in- und außerhalb der Sprache. Auf der Suche nach einer Neuen Universellen Theorie der Ambiguität (NUTA) ...

 

Hasen-Enten-Kopf

 

„MEHRDEUTIG, adj. mehr als éine deutung zulassend: ein mehrdeutiger ausspruch. vergl. eindeutig. “ 

 

– Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Bd. 12, Sp. 1889 bis 1894.

 

Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Seite sind Sie mit der Verwendung von Cookies einverstanden.